Quälende Langsamkeit.(Verkehrs-)Politik in Lingen.

Gestern war ich zu Besuch in der Sitzung des Verkehrsausschusses der Stadt Lingen (Ems), um mir erst einmal ein Bild von dessen Arbeitsweise zu machen.

Zunächst sei erwähnt, dass es eine Herausforderung war, die Sitzung nicht vorzeitig zu verlassen: Es handelte sich -wie zu erwarten war- um keine Unterhaltungssendung.
Das bin ich von Vorlesungen gewohnt, aber in diesen ist man zumindest deutlich produktiver.

Auf der Tagesordnung stand zu allererst das Verkehrskonzept rund um den “zentralen Omnibus-Bahnhof” (ZOB) am HBF Lingen.
Genau der, gegenüber dem ein Hotel entstehen soll, welches auf den geistreichen Namen “Looken Inn” hören wird.

Problem in Kurzdarstellung: Zu wenig Parkplätze für Pendler. Zu wenig Kurzzeitparkplätze. Zu wenig Platz.(?) Zu viele Autos. Zu wenig Taxis.

Laut Aussage eines Teilnehmers der Sitzung wird an diesem hochkomplexen Thema seit gut 2 Jahren geforscht.

Man hat es gestern sogar so weit gebracht, dass Parkplätze direkt hinter UND vor einem Fußgängerüberweg doch keine so schlechte Idee seien.

Dieser Vorschlag der Verwaltung -welche offenbar nicht nur verwaltet, sondern auch an kreativen Schaffungsprozessen beteiligt ist- wurde zurückgewiesen, da dieser nicht durchdacht sei.
Glückwunsch zu dieser Erkenntnis! Da hätte man auch in der Verwaltung drauf kommen können.

Das Ganze geht offenbar schon eine Weile so:
Verwaltung schlägt was vor -> In der Sitzung wird abgewunken. Zwischen den Sitzungen gehen im Schnitt zwei Monate ins Land (6 Sitzungen pro Jahr).

So kommt man höchstens aufgrund einer Deadline zu einem zwingenden Konsens und nicht etwa, weil die Lösung gut ist.

Am Ende der temperamentlosen Diskussion hat man beschlossen, dass sich die Verwaltung doch mal weitere Gedanken machen soll. Das Spielchen geht also von vorne los.

Die Mitglieder des Rates sind vermutlich gut gebildet, das Problem ist hier wohl eher systemimmanent.

In dieses träge System wurde gestern ein “Vorschlag von Seiten der Bürger” eingebracht: Nämlich die angesprochene Situation im Bereich Schlachterstraße / Elisabethstraße.

Die Verwaltung (ja, die Verwaltung) soll sich jetzt bis zur nächsten Sitzung Gedanken darüber machen, wie das Problem gelöst werden kann. Vorschläge aus meinem Blog sollen darin einfließen.

Zu Eurer Information: Die nächste Sitzung ist für Mitte Juni angesetzt.
Wohl gemerkt: Mitte Juni wird über Vorschläge diskutiert; ob es in dieser Sitzung aber auch zu einem endgültigen Beschluss kommt, ist – nach meinen Beobachtungen gestern - mindestens fragwürdig.
Sollte es bei dieser Sitzung im Juni zu keinem endgütigen Beschluss von Maßnahmen kommen, so wird die Thematik erst nach der Sommerpause wieder aufgegriffen.

Vermutung meinerseits: Wäre es in der Gegend [z.B. hinter dem Palacio] zu einem Unfall gekommen, so hätten wir binnen einer Woche die Umsetzung einer verkehrsberuhigenden Maßnahme gesehen.

[Doch bis jetzt ist ein Unfall natürlich nur theoretisch möglich, daher kann man ganz in Ruhe an die Sache ran gehen und sich gemütlich in einem Monat zum Kaffee wieder zusammen setzen.]

Die Situation ist der Verwaltung seit Mitte März bekannt. Erst ein viertel Jahr später wird man damit begonnen haben, erste Lösungsvorschläge zu diskutieren.

Man darf gespannt sein, wann Lösungen beschlossen werden.
An Vorschlägen mangelt es jedenfalls nicht: Diese wurden innerhalb einer Woche von Bürgern entwickelt.

Dieses offensichtliche Potential der Bevölkerung muss stärker genutzt werden.
Wie man dies umsetzen kann, habe ich ansatzweise gezeigt: Man fragt einfach nach.2604

Twitter Facebook Plusone

One thought on “Quälende Langsamkeit.(Verkehrs-)Politik in Lingen.

  1. Pingback: Quälend « Roberts Blog

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>